Archiv für Dezember 2007

Alle Jahre wieder

Freitag, 21. Dezember 2007

Es ist schon komisch mit dieser Weihnachtszeit. Überall hört man, sie sei besinnlich, diese Zeit, oder: Sie sollte es wenigstens sein. Ich kenne allerdings niemanden, bei dem das so ist – mich eingeschlossen. Da sind Kekse zu backen, Weihnachtsschmuck zu basteln und Geschenke zu besorgen. Und wie jedes Jahr löste sich auch 2007 der Vorsatz, die Geschenkfrage frühzeitig zu erledigen, im Kleinkram des Alltags auf. Es war ja noch Zeit, nicht wahr?

Ja. Zeit, bis ich erschreckt feststellte: Es ist ja schon der 5. Dezember! Und natürlich gehen noch ein paar Tage ins Land, bis auch die richtige Geschenkidee für jeden meiner Lieben gefunden ist. Dann kommt das Schlimmste: Ich musste mich ins Weihnachtsgetümmel stürzen. Um wie jedes Jahr festzustellen, dass sich das Fest der Liebe scheinbar außerhalb der einschlägigen Einkaufszentren abspielt. Überall genervte Gesichter – bestenfalls -, Gedrängel und Geschubse. Diese Atmosphäre scheint mir eine Art Eigendynamik zu haben, denn auch bei mir ziehen sich die Mundwinkel nach kurzer Zeit unwillkürlich nach unten.

Doch in diesem Jahr passierte etwas Ungewöhnliches: Eine junge Frau, mit allerlei Tüten vollgepackt, ein Kinderwagen vor sich herschiebend und ein Mädchen im besten Trotzalter an der Hand, ging lächelnd durch den Laden, beugte sich zu ihrer Tochter, sprach kurz beruhigend auf sie ein und lächelte demonstrativ jeden an, der ihren Weg kreuzte. Und ich konnte gar nicht anders: Ich lächelte zurück und fühlte mich sogleich mindestens 20 Jahre jünger. Was so ein Lächeln nicht alles bewirken kann … Jetzt kann das Weihnachtsfest kommen.

Ein Recht für Kinder

Montag, 17. Dezember 2007

In der Politik wird gerade darüber diskutiert, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Die Fraktionen sind sich weitgehend einig, die Bevölkerung ist gespalten – zumindest, wenn meine Nachbarschaft einen Bevölkerungsquerschnitt darstellt. Frau Meier von nebenan hält die ganze Thematik für überflüssig. Wieso, fragte sie mich aufgebracht, sollen Kinder denn eine Extrawurst bekommen? „Die Gören“, dozierte sie wörtlich, „machen doch heute eh schon, was sie wollen. Die lassen sich doch nichts mehr sagen. Richtig Angst haben muss man vor denen.“ Frau Meier gehört, wie sich der geneigte Leser vielleicht vorstellen kann, zu den Menschen, die Ball spielende Kinder vor ihrem Fenster als unzumutbar empfinden und sich schon von einem Kinderlachen gestört fühlen. „Na, Frau Meier“, beschwichtige ich und senke dezent den Blick, damit sie mein Augenrollen nicht bemerkt, „vor meinen dreien haben Sie doch bestimmt keine Angst, oder?“ „Sie wissen doch, wie ich’s meine, Frau Suppendotter. Obwohl Ihre drei Racker auch ganz schön frech sind, muss ich sagen. Aber das ist wohl heutzutage normal.“

Herr Biernoth von rechts oben hat eher Angst vor der „Regulierungswut des Staates“, wie er es nennt, Frau Schenk meint, so eine Grundgesetzänderung sei eine gute Sache, würde aber eh nichts ändern.

Und ich? Ich finde das eine gute Idee. Auch wenn der Effekt eher symbolisch sein dürfte. Aber eine Symbolik, die ganz klar „Ja!“ zu Kindern sagt, ist fast so schön wie ein fröhliches Kinderlachen.