Archiv für Januar 2008

Aus drei mach vier

Dienstag, 29. Januar 2008

Gestern morgen rief mich meine Nichte Tina an und bat um einen nachmittäglichen Teeplausch, eine bei uns sehr geschätzte Tradition, die allerdings in der letzten Zeit nur sehr selten gepflegt wurde. Kein Wunder, dass ich sogleich begeistert zustimmte und gespannt auf den Nachmittag wartete: Was mir meine Nicht wohl zu berichten hatte?

Nun, ihre Nachricht war durchaus etwas Besonderes: Sie sei schwanger, erklärte sie mir freudestrahlend und hielt mir sogleich ein Ultraschallbild vor die Nase. Die Bilder sind mir zum Glück schon von Christoph, Lena und Luka vertraut und obwohl ich auf diesen Bildern meist nicht mehr als schwarz-weißes Schneegestöber erkennen kann, weiß ich diese Schwäche mit Kennermiene zu verbergen.

Stolze 17 Millimeter ist der Nachwuchs groß und fühlt sich in seiner Höhle pudelwohl, meint Frauenarzt Dr. B. Wunderbar! Ich denke, es kommen turbulente Monate auf uns zu.

Wickie – eine Geschlechterfrage

Donnerstag, 17. Januar 2008

Ach du liebe Zeit! Wissen sie eigentlich, das zankende Kleinwüchsige Berserker-Qualitäten entwickeln können? Nein? Nun, Sie haben Recht. Zankende Kleinwüchsige übertreffen Berserker bei weitem. Sie wollen wissen, was passiert ist? Eine Grundsatzdiskussion erschütterte mein Haus – eine von epischen Ausmaßen. Es ging um eine Zeichentrickfigur. Wickie. Ist Wickie ein Mädchen oder ein Junge? Die Fronten waren – und sind – so unbezwingbar wie eigentlich klar. Lena: „Wickie ist ein Mädchen. Ist doch logisch. Sonst wäre ja Ylvi wohl kaum ihre beste Freundin, oder?“ „So’n Quatsch! Wickie darf mit auf See. Und zwar weil er Sohn des Häuptlings ist. Außerdem hat er Hosen an. Ylvi ja wohl nicht, oder?“

Ich als unwissende Großtante konnte die beiden gerade mal so vor einer nachhaltigen Zerstörung meines Hauses abhalten – Bestechungsmittel: Rahmspinat. Die doch etwas wirren, weil sehr aufgeregten Ausführungen halfen mir insgesamt nicht weiter. Nicht zum ersten Mal erwog ich mehr oder weniger ernsthaft, häufiger fern zu sehen, um der jungen Generation in solchen Fragen wenigstens halbwegs folgen zu können. Also fragte ich ganz mutig, wann diese Zeichentrickserie denn überhaupt im Fernsehen zu sehen sei. Klar, dass die beiden das direkt aus dem Kopf wissen: Samstags, zehn nach zehn im ZDF. Aha. Nun, als treusorgende Großtante schaut man sich das natürlich mal an, vielleicht, so dachte ich naiv, könnte ich ja bei der Streitfrage behilflich sein.

Ich durfte feststellen: Gewitzt, das … Kind. Nein, ich habe keine Ahnung, ob Wickie nun ein Mädchen oder ein Junge ist. Kann mir die geneigte Leserschaft helfen?

Pumuckl vor Gericht

Freitag, 11. Januar 2008

„Tante Emily, du MUSST dir unbedingt meinen neuen Turm angucken!“ Lena zupft, nein, zerrt entschieden an meinem Bein, um mich von der Teufelskiste namens Computer und dem hochinteressanten Zeitfresser Internet weg zu locken. Zum Glück überzeugen Kinderaugen wesentlich mehr als ein viereckiger Kasten, und zum Glück weiß ich auch um die Dringlichkeit, neugebaute Türme zu begutachten. Doch, halt: „Das ist ja Pumuckl“, bemerkt Lena ganz richtig nach einem flüchtigen Blick auf meinen Bildschirm. „Wieso hast du denn da Pumuckl?“

Nun, die Erklärung mutet schon für Erwachsene seltsam an: Die Frau, die sich Pumuckls Geschichte ausgedacht hat, und die Frau, die Pumuckl sein Gesicht, seine Füße, sein gelbes Shirt und seine grüne Hose, kurz, die Frau, die ihm sein Äußeres gegeben hat, haben sich gestritten. Und zwar so schlimm, dass nun Richter entscheiden mussten.

Es ging nämlich darum, ob Pumuckl eine Freundin haben darf oder nicht. Frau Kaut, die Pumuckl erfunden hat, war dagegen, die Zeichnerin Frau von Johnson war dafür. Frau Kaut meint nämlich, ihr Pumuckl sei und bleibe – sozusagen – ein Kind, deswegen würde er nie auf die Idee kommen, an eine Freundin zu denken. Zumindest so ungefähr.

Nun ja. Und wie sag ich’s der Lena? „Naaa jaaaaaa, in diesem Artikel geht es darum, ob der Pumuckl ein Freundin haben darf oder nicht.“ Uff. Und was wird Lena jetzt sagen? „Häääh? Wieso? Pippi ist doch auch mit Tommy befreundet und nicht nur mit Annika.“ „Ja. Aber es geht auch darum, ob der Pumuckl heiraten darf oder nicht.“ „Natürlich darf der heiraten. Ist doch ein Kobold. Oder ist das gegen das Koboldgesetz?“ „Ich glaube nicht“, schmunzelte ich und lenkte Lenas Aufmerksamkeit geschickt wieder auf ihren Turm.

Ich persönlich finde die Vorstellung ja ein wenig komisch, dass Pumuckl eine Ehefrau an seiner Seite haben soll. Aber mir kam ja schon der Film Pumuckl und der blaue Klabauter ein wenig spanisch vor, so ganz ohne Meister Eder.

Aufwärmen oder nicht, das ist hier die Frage

Samstag, 05. Januar 2008

Es heißt ja immer, Kinder würden Spinat nicht mögen. Das kann ich allerdings nicht bestätigen: Fragt man Christoph und Lena nach ihrer Lieblingsspeise, kommt Spinat mit Kartoffelbrei und Spiegelei gleich nach den üblichen Verdächtigen Pizza und Pommes. Einzige Bedingung: Es muss der Rahmspinat mit dem Blubb sein. Alles andere ist nämlich eigentlich gar kein richtiger Spinat, so die fachkundige Meinung der beiden Feinschmecker. Und wenn was übrig bleibt, wird der Spinat halt am nächsten Tag wieder aufgewärmt, wie ich meiner Nichte jüngst am Telefon berichtete. Das veranlasste sie allerdings zu einem entsetzten Ausruf: „Waaaaas? Du wärmst Spinat wieder auf? Aber das geht doch nicht. Man darf doch Spinat nicht wieder aufwärmen. Das ist mit Spinat genau so wie mit Pilzen. Das weiß doch jedes Kind.“

„Das sind doch Ammenmärchen von anno dazumal“, gab ich zurück. „Wie soll denn wohl etwas nur dadurch giftig werden, dass es wieder aufgewärmt wird?“ „Aber Tantchen“, widersprach sie, „warum steht denn dann auf den Packungen, dass man Spinat eben nicht wieder aufwärmen soll?“

Das brachte mich dann doch ins Grübeln. Die Rahmspinat-Hersteller müssen’s ja eigentlich wissen. Gut, dass Christoph mich vor ein paar Tagen in die wunderbare Welt der Suchmaschinen eingeführt hat. „Google weiß einfach alles“, erzählte er mir im Brustton der Überzeugung und bekräftigte diese Aussage mit einem energischen Kopfnicken.

Und, verehrte Blogleser, ich muss sagen, mein Großneffe hat Recht. Und was mich doch ein wenig stolz macht: Ich auch. Die landläufige Meinung, dass Spinat nicht wieder aufgewärmt werden darf, ist zwar nicht ganz aus der Luft gegriffen, allerdings stark übertrieben. In Spinat ist nämlich Nitrat enthalten, wie ich hier und dort nachlesen konnte. Wenn nun Spinat länger auf der Platte warmgehalten wird, wird das Nitrat in Nitrit umgewandelt, was speziell für Kindermägen gefährlich werden kann. Wird der Spinat kühl gehalten, wird der Prozess aber stark verlangsamt. Das bedeutet: Nach dem Essen den Spinat gleich in den Kühlschrank stellen, erst kurz vor dem Aufwärmen aus der Kühlung nehmen – und möglichst nur einmal wieder aufwärmen. Bei dem Bärenhunger der Kleinen ist das aber gar kein Problem.

Und was die Pilze betrifft? Schon meine Oma dozierte mit erhobenem Zeigefinger: „Pilze wärmt man nicht wieder auf.“ Ich dachte, die Meinung käme daher, dass die meisten Menschen ohnehin großen Respekt vor giftigen Pilzen haben. Das ist allerdings nicht Grund, wie es scheint. Pilze sind leicht verderblich, bei den begrenzten Kühlmöglichkeiten damals also sehr schnell ungenießbar. Wie gut, dass es heute Kühlschränke gibt: Nach dem Essen kühlen, und aufgewärmte Pilze sorgen auch am nächsten Tag für kein Magengrimmen.

Von der Abenteuerlichkeit, in dieser Familie ein Buch zu verschenken

Mittwoch, 02. Januar 2008

Es gibt so Bücher, die gehören einfach in jeden Haushalt. Collection des verlorenen Wissens ist zum Beispiel so eines. Grundrezepte für Brot, Marmelade, ordentliche Soßen und Braten, Altbekanntes zur Blumenpflege … ach, was rede ich – Altbekanntes! Meine Nichte Tina rühmt sich ständig, einen braunen Daumen zu haben – Schuld sei, so behauptet sie, ihr Zeitmangel. Zugegeben, bei ihrem Gerede wird mir auch immer ganz schwindlig: Aufstehen, Kinder einpacken, zum Kindergarten hetzen, Laura abliefern, zur Schule hetzen, Christopher abliefern, zu mir hetzen, Luka abliefern, zur Arbeit hetzen – und nach der Arbeit alle wieder einsammeln – so pünktlich wie möglich, versteht sich.

Und nachmittags geht’s erst richtig los: Musikunterricht, Sportverein, Theatergruppe und wat weeß ick noch – verzeihen Sie meinen Dialekt – damit die Nachmittage schön ausgefüllt sind und meine Nichte um Himmelswillen das Auto fahren nicht verlernt. Zumindest habe ich den Eindruck – sie sieht das natürlich anders.

Wie dem auch sei. Ich habe ihr das Buch bei meinem letzten Besuch mitgebracht und ihr Augenrollen geflissentlich übersehen. Zum Glück sind die Frauen unserer Familie seit jeher von Natur aus neugierig. Deswegen konnte meine Nichte auch nicht der Versuchung widerstehen, einen Blick in das Buch zu werfen. Prompt rief sie mich an und beschwerte sich erst einmal darüber, dass ja auch das Vaterunser, das Evangelische und Katholische Glaubensbekenntnis und all so „Zeug“, wie sie es ausdrückte, in dem Buch stehen. Sie ist nämlich zwanghaft ungläubig, müssen Sie wissen.

„Stimmt“, sagte ich, „aber auch Abzählreime, Märchen in Kurzform, Goethe, Schiller und Heine. Von den Haushaltstricks, die gerade du gebrauchen kannst, mal nicht zu reden.“ Darauf folgte eine unserer berüchtigten hitzigen Diskussionen, die Nichte Tina ganz schnell mit dem Hinweis beendete, dass sie auf solche Mittelchen und rückwärts gewandte Ideen verzichten kann – genau deshalb fragt sie mich ja auch immer, wenn sie Hilfe braucht, nehme ich mal an. Und bei meinem letzten Besuch lag das Buch ganz bestimmt nur aus dekorativen Gründen auf Nichte Tinas Arbeitsplatte in der Küche.