Gerade eben hatte ich einen Rohrspatz am Telefon. Dachte ich zumindest in den ersten 5 Minuten, bis mir klar wurde, dass meiner Nichte Tina der Kragen geplatzt sein musste. Sie hatte sich ein wenig näher mit der aktuellen Familienpolitik befasst, was ihrer Meinung nach einfach zwangsläufig zu einem Wutanfall führen muss:
Hier das Erziehungsgeld, auf der anderen Seite das Betreuungsgeld für Mamas, die zu Hause bleiben. Dort vorwiegend Halbtagsschulen, fehlende Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze, auf der anderen Seite ein neues Unterhaltsrecht, das Müttern, die sich für die Kindererziehung zu Hause entscheiden, im Falle einer Scheidung keine Unterhaltsabsicherung mehr bietet. Was das für die Frauen bedeutet, die seit Jahrzehnten – auch für die Karriere ihres Mannes – zu Hause geblieben sind, könne ich mir ja lebhaft vorstellen, schimpfte meine Nichte. Und wie soll man wohl in den Beruf zurückkehren, wenn es keine vernünftigen Betreuungsangebote gibt?
Ich musste ihr zustimmen, versuchte aber zu beschwichtigen: Schließlich würden die Krippenplätze ja gerade geschaffen, das Betreuungssystem wird ja gerade massiv ausgebaut. Was ich wohl unter massiv verstünde, schnaubte meine Nichte erbost. 15 Prozent Krippenplätze für unter 3-Jährige seien bis 2010 für unsere Stadt geplant, schnaubte sie. Was sie beträfe, sei die ganze Unterhalts- und Familienpolitik momentan nichts Halbes und nichts Ganzes.
Na ja, versuchte ich es noch einmal, aber das sei doch immerhin besser als nichts? Klar, gab meine Nichte zurück, jetzt säßen wir Frauen noch mehr zwischen allen Stühlen, da wüssten wir wenigstens, woran wir seien: Nämlich an nichts Konkretem.