Archiv für März 2008

Helfen übers Internet

Donnerstag, 27. März 2008

Sich ehrenamtlich zu engagieren, finde ich eine tolle Sache. Allein: Wo soll man denn was machen? Und wer braucht überhaupt Leute? Diese durchaus nicht unberechtigten Fragen führen sehr schnell dazu, dass man „die Sache mit dem Ehrenamt“ erst einmal noch ein wenig verschiebt – und zwar jedes Mal. Der innere Schweinehund kann ja leider doch sehr überzeugend sein.

Nun gibt es ein Internetprojekt, das die verschiedenen Organisationen und die potenziellen Ehrenamtlichen vernetzen will: Helpedia. Hier stellen sich unterschiedliche Organisationen vor, berichten über ihre Arbeit und suchen auch ganz konkret nach helfenden Händen. Noch ist das Angebot etwas dünn, die Seite gibt es wohl noch nicht so lange, aber das Ganze sieht schon sehr vielversprechend aus.

Überfluss im Kinderzimmer

Dienstag, 18. März 2008

Kinder denken konsumorientierter. Das glauben zumindest 89 Prozent der Befragten einer aktuellen Studie zum Thema. Die Befragten hatten außerdem ein Problem mit der Werbelawine zu Weihnachten, die durchaus dafür sorge, dass manche Eltern mehr für Geschenke ausgeben, als sie eigentlich wollten.

Das “Mehr” liest sich auch in Zahlen: Es wurde letztes Jahr mehr für Spielzeug, mehr für Kleidung und mehr für die Handyrechnung der Kinder (!) ausgegeben. Ja, und auch ich habe sicher mehr für meine drei Lieblinge im letzten Jahr ausgegeben, als im Jahr davor. So ein Mitbringsel schadet doch nicht und es gibt ja so viele niedliche Sachen …

Andererseits gleichen die Kinderzimmer von Christoph, Lena, und auch schon das vom kleinen Luka irgendwie mehr gut sortierten Spielzeuggeschäften. Und mittlerweile schon halbjährlich gibt es eine Aufräumaktion, bei der ein nicht unerheblicher Anteil der Spielsachen im Keller verschwindet, um Platz für die neuen Dinge zu schaffen.

Natürlich soll es den dreien an nichts fehlen, aber wenn ich darüber nachdenke, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Spielzeugberge glücklicher machen. Ich sollte vielleicht doch mal öfter an den netten Mitbringseln vorbeigehen …

Gewalt und Zivilcourage

Dienstag, 11. März 2008

An Christophs Schule sind gerade Projekttage. Thema: Gewalt (an Schulen). An Schulen deswegen in Klammern, weil Gewalt ja auch anderswo ein Thema ist, wie mir mein Großneffe fachkundig auseinandersetzte. Christoph ist in der Gruppe, die sich mit Zivilcourage befasst. „Und wie kann ich mir das vorstellen?“, frage ich, neugierig, wie ich nun einmal bin. „Na ja“, meint Christoph, „an unserer Schule gab es in letzter Zeit einige Schlägereien, und geholfen hat da niemand. Das liegt wohl daran, dass viele einfach denken, dass halt jemand anders helfen soll. Und mit diesem Projekt wollen wir halt die Schüler ein bisschen aufrütteln und zeigen, dass Gewalt nichts Normales sein soll.“

„Aber vielleicht haben die Schüler ja auch Angst, selbst was auf die Mütze zu kriegen“, werfe ich ein und mache mir schon Sorgen, dass mein Großneffe seine Zivilcourage mit einem blauen Auge bezahlen muss. „Nein“, meint Christoph, „es soll ja auch niemand dazwischen gehen, das ist ja ganz schön gefährlich. Aber laut rufen, dass sie aufhören sollen, das hilft manchmal schon. Oder eben die Lehrer holen.“

Diese kleine Unterhaltung hat mich nachdenklich zurückgelassen. Schlimm genug, dass es Schlägereien an Schulen gibt, sollen sich da die Unbeteiligten auch noch in Gefahr bringen? Andererseits: Schweigen hat so etwas von Tolerierung, und schon wird Gewalt nach kurzer Zeit als normal angesehen. Wie kann man diesem Dilemma entgehen? Hat meine werte Leserschaft eine Idee? Ich bin auf Ihre Anregungen gespannt.

Nichts Konkretes

Dienstag, 04. März 2008

Gerade eben hatte ich einen Rohrspatz am Telefon. Dachte ich zumindest in den ersten 5 Minuten, bis mir klar wurde, dass meiner Nichte Tina der Kragen geplatzt sein musste. Sie hatte sich ein wenig näher mit der aktuellen Familienpolitik befasst, was ihrer Meinung nach einfach zwangsläufig zu einem Wutanfall führen muss:

Hier das Erziehungsgeld, auf der anderen Seite das Betreuungsgeld für Mamas, die zu Hause bleiben. Dort vorwiegend Halbtagsschulen, fehlende Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze, auf der anderen Seite ein neues Unterhaltsrecht, das Müttern, die sich für die Kindererziehung zu Hause entscheiden, im Falle einer Scheidung keine Unterhaltsabsicherung mehr bietet. Was das für die Frauen bedeutet, die seit Jahrzehnten – auch für die Karriere ihres Mannes – zu Hause geblieben sind, könne ich mir ja lebhaft vorstellen, schimpfte meine Nichte. Und wie soll man wohl in den Beruf zurückkehren, wenn es keine vernünftigen Betreuungsangebote gibt?

Ich musste ihr zustimmen, versuchte aber zu beschwichtigen: Schließlich würden die Krippenplätze ja gerade geschaffen, das Betreuungssystem wird ja gerade massiv ausgebaut. Was ich wohl unter massiv verstünde, schnaubte meine Nichte erbost. 15 Prozent Krippenplätze für unter 3-Jährige seien bis 2010 für unsere Stadt geplant, schnaubte sie. Was sie beträfe, sei die ganze Unterhalts- und Familienpolitik momentan nichts Halbes und nichts Ganzes.

Na ja, versuchte ich es noch einmal, aber das sei doch immerhin besser als nichts? Klar, gab meine Nichte zurück, jetzt säßen wir Frauen noch mehr zwischen allen Stühlen, da wüssten wir wenigstens, woran wir seien: Nämlich an nichts Konkretem.