Archiv für August 2008

Kinderbetreuung? Ist doch Luxus!

Donnerstag, 14. August 2008

Kürzlich las ich in der hiesigen Tageszeitung einen Leserbrief, dessen vorrangige Botschaft lautete: Kinder sind Privatsache. Es ging darum, dass Eltern, die Betreuung für ihre Kleinkinder benötigen, eine ordentliche Portion Glück haben müssen, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Es gibt zu wenig Krippenplätze, aber auch kaum Krabbelgruppen in den Kindergärten für Kinder von 1 bis 2, selbst bei den Kindergärten wird es mitunter schwierig, auch wenn es nur um einen Halbtagsplatz geht.

Die Lokalzeitung griff das Thema auf und bemängelte, dass die Verantwortlichen mehr streiten, als zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Hier wie an vielen Orten der Republik sollen zwar Tagesmütter das Defizit auffangen, aber auch bei ihnen sind Wartezeiten angesagt, vor allem, wenn man eine begehrte, weil gut ausgebildete und mit gutem Ruf ausgestattete, Tagesmutter bevorzugt oder nicht unbedingt erst einmal 20, 30 Kilometer fahren will, um sein Kind in ihre Obhut zu geben.

Und darauf nun besagter Leserbrief. Der Leser fand, Familien würden mittlerweile ohnehin zu sehr bevorzugt, allerorten gäbe es viel zu viel Tam-Tam um Betreuung und Elterngeld, so etwas habe es früher nicht gegeben und die Eltern hätten ihre Kinder auch groß gekriegt. Sicher haben sie das. Aber früher gab’s auch mehr Großfamilien, Nachbarn, die ganz selbstverständlich mit auf die Kinder geguckt und aufgepasst haben. Heute gibt es die viel zitierte Kleinfamilie, in der die Eltern meistenteils auf sich gestellt sind. Und in Zeiten, wo Müttern, die zu Hause bleiben, oft schon Schmarotzertum nachgesagt wird, in Zeiten, wo kontinuierliches Arbeiten wichtig ist, um in seinem Job den Anschluss nicht zu verlieren, ist adäquate Betreuung – auch für Kleinkinder – extrem wichtig und hat meiner Meinung nach selbstverständlich zu sein.

Doch der viel beschworene Ausbau der Krippenplätze geht viel zu langsam voran, was auch daran liegt, dass der versprochene Geldsegen aus Berlin viel geringer ausfällt als angekündigt und sich die hoffnungslos überlasteten Kommunen mit viel höheren Kosten konfrontiert sehen als geplant.

Aber was beschweren sich Familien denn? Hier, in meiner Kleinstadt, wird zum Beispiel gerade eine integrative Krippe geplant, die wohl ab Dezember Plätze anbieten soll. Dass es sich hierbei um höchstens zwölf Plätze handelt, die schon jetzt zur Hälfte ausgebucht sind, ist da wohl nur ein vernachlässigbarer Schönheitsfehler.