Damals, ja damals. Damals war alles anders. Aber seitdem wir Kinder haben, hat sich unser Leben im Handumdrehen und vollkommen verändert. Irgendwie kann man sich das vor den Kindern gar nicht vorstellen. Plötzlich ist alles anders. Mit steigender Zahl der Familienmitglieder ändern sich alle anderen Dinge im Leben exponential.
Damals waren mein Mann und ich noch alleine. Da galt mein Leitspruch: Niemals ein neues Haus, vielleicht auch noch in einem Neubaugebiet. Nein, niemals! Stadt oder wenigstens Kleinstadt mit guter Anbindung. Nein, das brauche ich nicht. Ich will viel Grün und nur Grün … Wir haben uns ein schnuckeliges altes Häuschen im Grünen gesucht und sind aufs Dorf gezogen. Ganz abgeschieden und sehr romantisch am Waldesrand. Eine echte Ruheoase, als Gegenpol zum täglichen Joballtag. Uns waren die Nachbarn egal, auch die Fahrstrecke zu unseren Arbeitsplätzen spielte eine nebensächliche Rolle. Zwischendurch gab es eine fetzige Party mit vielen Freunden im abschüssigen Gelände des waldigen Gartens. Wir waren eben zu zweit und mussten uns um nichts anderes als um uns kümmern.
Und heute mit zwei kleinen Kindern sieht die Welt ganz anders aus. Die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. Wir kümmern uns weniger um unsere Bedürfnisse als vielmehr um die Bedürfnisse der lieben Kleinen. Nun leben wir in einem Dörfchen und um uns herum leben zwar sehr nette, aber eben ältere Herrschaften. Kein Kind weit und breit, mit dem unser Sohn mal schnell spielen kann. Jeden Nachmittag bedeutet das für mich, den kleinen Mann zu einem Freund zu fahren, oder ein Freund wird zu uns gebracht. Umständlich, zeitraubend, aber eben nicht anders machbar.
Wir haben einen riesigen Garten, eigentlich ein Traum. Allerdings für Kinder nicht bespielbar, da extremste Hanglage. An Fußballspielen ist hier nicht zu denken. Das Aufstellen eines Planschbeckens oder gar Trampolins ist völlig undenkbar.
Und unser geliebter Waldrand birgt so manch andere „Qualität“, deren Ausmaß ich mir zu Beginn nicht ausmalen konnte. Waldrand ist Zeckenland – und das im Hochrisikogebiet. Bei uns gibt es keinen Gartenbesuch, ohne spätere intensive Zeckenkontrolle, bei der man fünf bis acht Zecken am Körper zu Tage fördert. Das macht keinen Spaß und für ausgelassene Kinder schon gar nicht.
Ich sehne mich heute nach einem spießigen Neubaugebiet in einer Kleinstadt und nach einem Haus, das nach meinen Vorstellungen gebaut wird. Nach einem kleinen Garten, wo ich meine Kinder einfach nur unbeschwert spielen lassen kann. Und nach einer Straße vor dem Haus, wo es viele Kinder gibt.
Deshalb heißt es heute: Auf zu neuen Ufern und ab in ein Neubaugebiet. Ich freu mich drauf!
Wie sieht es bei Ihnen aus? Mussten Sie ebenfalls Ihr ganzes Leben mit den Kindern umkrempeln und haben viele Ihrer ehemaligen Vorsätze über den Haufen geworfen?
Angelina Ströbel/pixelio.de
