Archiv für Januar 2010

Antibiotikum, muss das sein?

Dienstag, 26. Januar 2010

Bisher blieben wir noch verschont. Doch vor zwei Wochen war es dann „endlich“ soweit. Vier Tage vor dem fünften – und ihm Übrigen von ihm heißersehnten – Geburtstag, bekam mein Sohn Scharlach. Seine erste Kinderkrankheit! Es war mir klar, dass es uns auch irgendwann einmal treffen würde. Aber musste es unbedingt der Geburtstag sein?!

Mein kleiner Schatz tat mir gleich in zweifacher Hinsicht leid: Einerseits, weil er krank war und es ihm wirklich nicht gut ging. Andererseits, weil wir die große Kindergeburtstagsparty erst einmal bis auf Weiteres verschieben mussten.

Nach dem Besuch bei unserer Kinderärztin hatten wir die Gewissheit: Es ist Scharlach. Gleichzeitig signalisierte ein Schnelltest aber auch, dass sich unsere zehn Monate alte Tochter noch nicht angesteckt hatte. Nun hieß es, strategisch an die Sache heran zu gehen. Eigentlich wäre ein Antibiotikum nicht zwingend nötig gewesen, um die Krankheit zu überstehen. Die Gabe eines Antibiotikums kommt für mich nur infrage, wenn es gar nicht anders geht. Da unsere Tochter aber bisher verschont war, entschieden wir uns für die „schnelle“ Lösung. Also für das Antibiotikum und damit hoffentlich auch gegen eine Ansteckung der kleinen Schwester. Denn, so sagte mir die Ärztin, mit dem Antibiotikum sei mein Sohn innerhalb der nächsten 24 bis 48 Stunden nicht mehr ansteckend.

Meine beiden Kinder lieben sich wirklich sehr. Es ist mir kaum möglich, die beiden ganze 24 oder gar 48 Stunden getrennt voneinander zu halten. Trotz großer Liebe hat sich mein Sohn aber strikt an das kleine-Schwester-Küssverbot gehalten. Nun können wir aufatmen. Die Kleine ist bisher von Scharlach verschont geblieben. Der große Bruder hat alles super überstanden.

Trotzdem plagt mich ein wenig das schlechte Gewissen. Wäre mein Sohn das einzige Kind, hätte ich auf das Antibiotikum verzichtet. Als Präventionsmaßnahme für seine kleine Schwester, habe ich es ihm verabreicht. Irgendwie ist das schon ein wenig ungerecht ….

Finden Sie es auch ungerecht? Und geht es Ihnen auch so, dass die Großen, obwohl Sie es eigentlich gar nicht beabsichtigen, zurückstecken müssen. Beschleicht Sie dabei manchmal ein schlechtes Gewissen?

Foto: Klicker / pixelio.de

Foto: Klicker / pixelio.de

Kindermund tut Wahrheit kund

Mittwoch, 20. Januar 2010

Meine Güte, es ist mir heute noch peinlich! Es ist mittlerweile ein halbes Jahr her, als ich mit meinem damals vierjährigen Sohn beim Einkaufen war. Als wir gemeinsam die Einkaufstüten im Kofferraum unseres Autos verstauten, stand direkt neben uns eine sympathische ältere Dame, die genau das Gleiche tat. Plötzlich fragte mein Sprössling lautstark: „Mama, was hat die Dame für dicke Striche im Gesicht?“ Erst einmal wusste ich gar nicht, was der kleine Mann eigentlich meinte. Ich drehte mich kurz zu besagter Dame um. Danach war es mir schlagartig klar. Mir lief es gleichzeitig kalt und warm den Rücken herunter. Nicht etwa, weil die Dame gar so schauerlich aussah, sondern vielmehr, weil ich in akuter Erklärungsnot war. Diese gründete im Übrigen nicht darauf, meinem Sohn das Älterwerden und die damit einhergehende Faltenbildung näherzubringen. Sondern vielmehr darin, die wirklich sehr freundlich wirkende Mitsiebzigerin nicht zu kränken. Denn ich war mir in diesem Moment sicher, dass die Dame die Frage meines Sohnes gehört und verstanden hatte.

Wäre irgendwo ein Loch in der Nähe gewesen in das ich ganz schnell hineinhüpfen hätte können, um mich zu verstecken, ich hätte es auf direktem Weg aufgesucht. Die ganze Peinlichkeit hatte vielleicht maximal eine Minute gedauert, für mich waren es gefühlte 24 Stunden.

Jetzt hieß es schnell handeln. Als Antwort gab ich meinem Sohn, dass er doch bitte schnell einsteigen solle, dann würde ich ihm alles erklären. Als er mit der Frage ansetzte: „Aber Mama, was …?“, hielt ich ihm den Mund zu und legte ihm so schnell wie noch nie den Sicherheitsgurt des Kindersitzes an. Der kleine Kerl war vollkommen baff. Vor allem als ich ihn relativ durchdringend Nasenspitze an Nasenspitze ansah. Als ich die Türe neben dem jungen Herren ins Schloss fallen ließ, rannte ich förmlich zur Fahrerseite. An Anschnallen war im ersten Moment gar nicht zu denken. Für mich hieß es erst einmal, die Flucht zu ergreifen und zwar so schnell wie möglich.

Als wir endlich im schalldichten Raum und vor allem in sicherer Entfernung waren, ging ich ans Erklären der Themen Altwerden, Faltenbildung und vor allem sagte ich meinem kleinen Schatz: „Manchmal ist es besser, die Frage im Kopf zu behalten und die Mama erst später zu fragen, denn es könnte sich jemand dabei verletzt fühlen.“

Mussten Sie auch schon mal die Flucht ergreifen, als Ihr Nachwuchs eine brisante Frage im Beisein von Dritten stellte? Oder behalten Sie in solch einer Situation die Nerven?

Foto: Robert Babika / pixelio.de

Foto: Robert Babika / pixelio.de