Archiv für die Kategorie ‘Erziehung’

Terrorfreie Kinderwelt

Donnerstag, 01. Oktober 2009

“Mama, was ist ein Terroranschlag?” trifft mich die Frage meines vierjährigen Sohnes eines morgens wie ein Blitz auf der Fahrt zum Kindergarten. Ich versuche eine richtige und trotzdem altersgerechte Antwort zu finden. Die Frage, die ich mir allerdings im selben Moment stelle ist: „Woher kennt mein Sohn das Wort Terroranschlag?“ Ganz schnell wird es mir klar. Gerade eben habe ich die Radionachrichten gehört. Und zu den täglichen Nachrichten gehören für uns Erwachsene fast schon wie selbstverständlich Meldungen von Bombenanschlägen, Terror, Selbstmordattentaten und Amokläufen.

Ich bin passionierter Radiohörer. Aber ganz unterschwellig werden dabei meine Kinder bei jeder Autofahrt mit fürchterlichen Geschehnissen des täglichen Lebens berieselt. Seit jenem Morgen drehe ich, sobald die Nachrichten kommen, das Radio leise. Auch meine tägliche Zeitungslektüre verlege ich auf den Abend, wenn die Kinder im Bett sind. Dann kann ich mir sicher sein, dass sich eine Frage wie: „Was machen die Männer mit den großen Pistolen und vermummten Gesichtern da in der schmutzigen Baustelle?“, so schnell nicht wiederholt. Es gibt einfach Themen im Leben, die sind für kleine Kinderohren tabu.

Schlimm genug, dass es auf diesem Planeten Terror gibt. Schlimmer noch, dass es Kinder gibt, die inmitten dieser Terrorgebiete aufwachsen müssen und zu deren Tagesalltag der Krieg zählt. Wenn ich schon das Glück habe, an einem relativ friedlichen Ort zu leben, versuche ich mit aller Kraft jegliche Gewaltberieselung aus der Welt meiner Kinder zu verbannen.

Wie sieht es bei Ihrer Autofahrt aus? Hören die Kinder unzensiert mit und wird jedes Thema offen am Küchentisch diskutiert?

 Foto: Franz Mairinger/pixelio.de

Foto: Franz Mairinger/pixelio.de

Anfassen erlaubt?

Dienstag, 28. Juli 2009
creativ collection

creativ collection

Babys sind niedlich, sind einfach zum Knutschen und Knuddeln. Knutschen und knuddeln, aber bitte gerne. Allerdings gilt für meine Kinder und im speziellen Fall für meine viermonatige Tochter: nur im engsten Familienkreis.

Vielleicht bin ich ein wenig empfindlich in Bezug auf das “öffentliche Kuscheln” mit meinem Baby. Aber, dass Hinz und Kunz für sich beanspruchen, ihre – wenigstens – sauberen Finger ins Gesicht meiner kleinen Tochter strecken zu müssen, erhält von mir eine klare Absage.

Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde. Ich wünsche mir eine kinderfreundliche Gesellschaft und ich glaube, wir sind auf dem besten Weg dorthin. Ich finde es toll, dass es viele Menschen gibt, die, kaum taucht man mit einem Baby oder Kleinkind auf, sofort nachfragen, was es denn sei. Und einfach eine nette Kommunikation mit dem Kind beginnen. Das ist wirklich schön. Aber da gibt es noch eine Spezies Mensch, die alles mit den Fingern erkunden und erproben muss. Im schlimmsten Fall hat dann ein wildfremder Mensch seine Finger im Gesicht meiner Tochter und streichelt zart aber bestimmt über ihre Wange. Oder hält ihr Händchen verbunden mit dem Satz “Ja bist du aber schon groß”. Und nach dem kleinen Plausch, wandert das Händchen meiner Tochter dann geradewegs in ihren kleinen Babymund. Mit allem, was der liebe Kommunikationspartner an Händen trug. Abhärtung schön und gut, aber doch nicht so.

Gerade in Zeiten von “Neuer Grippe”, ständigen Rotavirenangriffen und einem ewig währenden Magen-Darm-Virus-Wechselspiel. Wir haben das bereits hinter uns. Ein drei Wochen alter Säugling mit einem Magen-Darm-Virus ist kein Zuckerschlecken. Vielleicht bin ich deshalb diesbezüglich ein wenig sensibler. Dass ich mit meiner Einstellung bei manchen Menschen auf wenig Verständnis stoße, zeigt mir die Antwort einer Verwandten. Nach einem handgreiflichen “Tutzitutzi-Angriff” während eines Festes, bat ich den “Angreifer” ganz freundlich darum, die Finger aus dem Gesicht meiner Tochter zu lassen. Der “Tutzitutzi-Angreifer” verstand und akzeptierte meine Bitte ohne Umschweife. Die Verwandte allerdings meinte, dass ich, wenn ich mit meiner kleinen Tochter schon solche Feste besuchen würde, diese Attacken akzeptieren müsse, oder einfach zu Hause bleiben. Da blieb mir erst mal die Luft weg.

Wie stehen Sie zur Knuddelfreiheit der Öffentlichkeit mit Ihrem Baby? Oder bleiben Sie lieber im stillen Kämmerlein, um damit nicht konfrontiert zu werden?

Ohne Mampf keinen Kampf?

Mittwoch, 25. März 2009

Dass ich dem Schnuller eher skeptisch gegenüber stehe, hatte ich hier bereits näher ausgeführt – auch wenn mein Kleiner in der Tat ein „Schnullerkind“ ist, wird die Schnullerzeit soweit möglich und immer mehr reduziert, weil ich die Vorstellung, der Kleine könnte mit drei Jahren noch auf dem Schnuller herumnuckeln, ganz furchtbar finde.

Doch jetzt, wo sich die Sonne immer öfter zeigt und sich die Kinderwagenzahl an sonnigen Nachmittagen in der Fußgängerzone meiner Kleinstadt vervielfacht, wird klar, dass es noch einen guten Grund gegen übermäßigen Schnullerkonsum gibt: Wohin man sieht, haben die Kleinen was Essbares oder den Trinklernbecher in der Hand. Ob Reiswaffel, Zwieback oder Butterkeks, ob Fruchtsaft, Tee oder Wasser, allenthalben wird gemampft und getrunken.

Dass das nicht gesund sein kann, dürfte jedem einleuchten, der sich vorstellt, selbst ununterbrochen zu essen oder zu trinken. Doch diese Unart macht nicht bei Kleinkindern Halt. Da sieht man bei Familienfeiern sechs Jahre alte Mädchen mit Chipstüten herumlaufen und kommt aus dem Staunen nicht heraus. Früher ging’s doch auch anders – ich habe bis zum Teenie-Alter keine Chipstüte in die Hand bekommen. „Eine Handvoll darfst du naschen – nach dem Essen, das reicht dann für heute“, hieß es damals. Überhaupt habe ich kaum zwischen den Mahlzeiten gegessen – und das auch gar nicht vermisst, schließlich hatte ich für so etwas auf dem Spielplatz gar keine Zeit.

Klar überfiel mich abends mitunter der Heißhunger, kurz bevor das Abendbrot auf dem Tisch stand. Trotzdem war nicht mal ein Apfel drin. „Gleich gibt’s Essen, du verdirbst dir nur den Appetit“ – wer kennt solche Sätze nicht? Doch es scheint, als wären diese Grundsätze vergessen und Kinder bei einem Nachmittagsspaziergang dem Verhungern und Verdursten nah, wenn nicht Butterkeks und Fruchtsaft Abhilfe schaffen können. Schade.

 

Foto: pixelio.de/Andreas Morlok

 

Wie lange in die Elternzeit?

Samstag, 24. Januar 2009

Ein häufiges Thema in Still-Cafés, das durchaus sehr kontrovers diskutiert wird: Wie hältst du’s mit der Elternzeit? Geht’s nach einem Jahr zurück in den Beruf? Oder gar schon früher? Werden die vollen drei Jahre Elternzeit ausgenutzt?

Und wie geht es dann weiter? Teilzeit oder Vollzeit? Vielleicht bleibt ja auch der Mann zu Hause oder fährt seine Wochenarbeitszeit ebenfalls zurück? In diesen Gesprächen geht es jedes Mal hoch her. Klar ist: Die Möglichkeiten sind so vielfältig wie die Familien, die sie leben. Klar ist allerdings leider auch: Toleranz ist unter den Müttern eher selten. Die Mütter, die so lange wie möglich ihr Kind zu Hause betreuen möchten, sehen Mütter mit frühem Berufswunsch als Rabenmütter an. Anders herum werden diese Mütter von den berufstätigen zu „Glucken“ degradiert. Verständnis für die jeweils andere Seite: Fehlanzeige.

Liebe Leser: Wie gehen Sie mit der Elternzeit um? Welche Arbeitszeitmodelle haben Sie geplant, die vielleicht auch an den Arbeitgebern zu scheitern drohen?

 

 

Foto: pixelio.de/Stefan Beger

„Mama, das Geld ist alle!“

Donnerstag, 08. Januar 2009

Das liebe Geld – ein Thema, das Eltern und Kinder gleichermaßen bewegt. Dabei ist klar: Taschengeld ist für Kinder wichtig. Es gibt ihnen ein wenig Autonomie, hilft, wirtschaftlich zu denken, und fordert Planung: Wofür möchte ich mein Geld ausgeben? Will ich es sparen für einen größeren Wunsch? Damit Kinder den Umgang mit Geld aber auch wirklich lernen können, ist die Strafmaßnahme „Taschengeldentzug“, die zu meiner Zeit neben dem Hausarrest eine beliebte Strafe war, nicht ratsam. Auch als Belohnungsinstrument ist Taschengeld nicht geeignet.

Aber was tun, wenn der Nachwuchs das Geld für Dinge ausgibt, die den Erwachsenen unnütz erscheinen? Ein befreundetes Paar steht nahezu wöchentlich vor diesem Dilemma: Während sie die Verwendung des Taschengeldes konsequent in die Hände ihrer kleinen Söhne legt, legt er des Öfteren sein Veto ein, wenn Nico mal wieder völlig überteuerte Süßigkeiten kaufen möchte, weil er neugierig auf die Überraschung ist. Seine Meinung: Der Junge lässt sich über den Tisch ziehen und als Vater muss er seinen Sohn vor Schaden bewahren. Seine Frau sieht das anders: Natürlich möchte sie wissen, wofür ihre Kinder ihr Taschengeld ausgeben, kommentiert die Einkäufe allerdings überhaupt nicht. Schließlich sollen die Kinder lernen, eigenverantwortlich mit ihrem Geld umzugehen.

In einem Punkt sind sich die beiden allerdings einig: Ist das Taschengeld ausgegeben, hilft kein Betteln und kein Flehen, auch nicht das Argument „Die anderen haben alle mehr“. Nachschub gibt es nicht. Doch auch wenn die beiden vor ihren Kindern konsequent auftreten, nagt der Zweifel an ihnen: Sie halten die Höhe des Taschengeldes für angemessen, doch die anderen Kinder bekommen fast alle wesentlich mehr – zu viel in den Augen der beiden, um den Kindern klarmachen zu können, dass Geld ein knappes Gut ist.

Wie gehen Sie mit dem heiklen Thema Taschengeld um? Halten Sie Ihre Kinder zum Sparen an? Mischen Sie sich in die Einkäufe Ihrer Kinder ein?

 

Foto: pixelio.de/Klaus-Uwe Gerhardt

Warum 7,5 Milliarden 8 Prozent Rendite bringen

Mittwoch, 19. November 2008

„Frühkindliche Betreuung“ ist ein Thema, das viele Gemüter erhitzt. Nicht wenige Menschen vertreten nach wie vor die Ansicht: „Mama ist die Beste“ und halten Fremdbetreuung im Kleinkindalter für schädlich, unterstellen dem Staat gar, sich in die Erziehung einzumischen.

Immer mehr setzt sich allerdings die Meinung durch, dass „frühkindliche Betreuung“ auch „frühkindliche Förderung“ beinhaltet, die die Chancengleichheit aller Kinder in Deutschland erhöht. Doch der Ausbau der Betreuungsplätze läuft schleppend voran und Elternteile, die bereits vor dem Kindergartenalter ihrer Sprösslinge wieder arbeiten möchten, stehen je nach Region und Lebenssituation vor großen Problemen. Häufig gibt es Wartezeiten und Dringlichkeitsstufen und die Spekulation der Politik darauf, dass meist der Großteil der Mütter recht lange zu Hause bleibt, ist nach wie vor offensichtlich.

Der Hauptgrund für dieses zaghafte Handeln dürfte in der Finanzierung liegen. Das Institut für Deutsche Wirtschaft kann dies indes gar nicht verstehen: So räumt das Institut ein, dass ein umfangreiches Maßnahmenpaket jährlich zunächst mit 7,5 Millionen Euro zu Buche schlägt, sich aber mit acht Prozent Rendite zu einem lohnenden Geschäft entwickeln würde. Die Gründe hierfür liegen, so das Institut weiter, in der insgesamt besseren Ausbildung der Bevölkerung, was weniger Arbeitslosigkeit und höhere Steuereinnahmen bedeutet. Außerdem sorgen Elternteile, die statt ihre Kinder ganztägig zu betreuen arbeiten gehen, ebenfalls für sprudelnde Steuereinnahmen.

Ein Rechenexempel, das mich zunächst mit Befremden erfüllt hat. Aber wenn’s hilft, mehr Betreuungsplätze zu schaffen, ist mir durchaus auch eine ökonomische Argumentation recht. Hier (PDF) lassen sich die Argumente nachlesen.

 

Foto: pixelio.de/doro52

Die Kunst des Schenkens

Freitag, 07. November 2008

Matchbox hier, Barbie-Haus da: In diesen Tagen dreht sich wieder alles um die Wunschzettel der lieben Kleinen. Glücklicherweise ist nicht jeder Wunschzettel bis zum Bersten mit Wünschen aus der bunten Spielzeugwelt gefüllt, doch Begehrlichkeiten werden schon im Kindergartenalter geweckt. Welches Elternteil hätte schließlich noch nicht Sätze gehört wie: „Der Max hat aber jenes … die Zoe hat aber dieses …“

Die Wünsche der Kleinen werden in Deutschland häufig nicht nur erfüllt, sondern übertroffen: Wohlmeinende Verwandte und Bekannte sorgen zusätzlich für einen enormen Geschenkeberg unter dem Weihnachtsbaum. Mit der Folge, dass das Auspacken der Geschenke schon fast ermüdend wird und die eigentlichen Geschenke nur eben kurz begutachtet werden.

Das Leuchten der Kinderaugen, das ich selbst als Kind noch zum Besten gegeben haben dürfte, ist selten geworden unterm Weihnachtsbaum. Ich selbst nehme mich aus der Kaufwut der Erwachsenen nicht aus: Die Kleinen aus dem Freundeskreis werden alle Jahre wieder mit zahlreichen Gaben verwöhnt. Es macht einfach Spaß, Geschenke einzukaufen und sich dabei die glücklichen Kindergesichter vorzustellen, pragmatisch und sinnvoll ist das indes nicht unbedingt. Also lieber die Eltern nach sinnvollen Geschenken für ihre Sprösslinge fragen und sich um das Vergnügen des Geschenkekaufens bringen? Oder gibt es da einen Zwischenweg? Was meinen Sie, werte Leser?

 

 Foto: Anton Scher/pixelio.de

Die Kasse und die Süßigkeiten

Freitag, 19. September 2008

Man kennt das ja: Diese kleinen, glitzernden Verpackungen der Süßigkeiten, die sicher auch nicht zufällig an der Kasse aufgebaut sind, üben eine unwiderstehliche Faszination auf Kinder aus. Eine wiederkehrende Szene mit unterschiedlichem Ausgang: Da gibt es Mütter, die ruhig und bestimmt auf die Süßigkeitenberge zu Hause oder auf die Süßigkeiten verweisen, die sich bereits im Einkaufswagen befinden, da gibt es Kinder, deren quengelndes Drängen garantiert funktioniert und da gibt es auch völlig unbeteiligte Kunden, die mit dem Satz „Nun seien Sie doch nicht so“ das Problem nun wahrlich nicht lösen, im Gegenteil.

Aber die Kleine, die heute auf die Süßigkeiten bestand, hatte ihre Mutter doch wohl besser im Griff, als gut für die beiden ist. „Mama, ich will ein Rolo“, so begann die kurze Unterhaltung. Dass die Kleine diese kleinen, runden Karamell-Schoko-Drops lecker findet, kann ich soweit durchaus unterstützen, habe ich doch selbst eine Schwäche für Rolos. Aber bittend brachte sie ihren Wunsch nun wahrlich nicht hervor, sondern erschreckend bestimmt. „Pia, wir haben noch genügend Süßigkeiten zu Hause“, gab ihre Mutter zurück. So weit, so gut. Doch Pia war damit gar nicht einverstanden, sondern wand sich schreiend im Einkaufswagen und war von der immer nervöseren Mutter gar nicht mehr zu beruhigen. Die Konsequenz: Pia hat ihr Rolo bekommen, um es dann unbeachtet in den Einkaufswagen zu werfen. Ihre Mutter schien erleichtert, doch ich ging mit meinen Einkäufen sehr nachdenklich nach Hause.

Ob die beiden mit dieser Nachgiebigkeit wirklich glücklich werden? Pia weiß die Dinge, die sie bekommt, offenbar gar nicht mehr zu schätzen, und ihre Mutter hat damit zwar eine beruhigte Tochter, aber eine, die weiß, dass sie mit Geschrei alles bekommen kann.

Ich zum Beispiel kaufe prinzipiell für die Kinder keine Süßigkeiten an der Kasse. Natürlich muss ich deswegen die eine oder andere unschöne Situation überstehen, aber die Knirpse wissen so wenigstens, woran sie sind, und das Gequengel an der Kasse ließ ganz schnell nach – auch wenn mir der eine oder andere Kommentar von einigen „wohlmeinenden“ Kunden sicher war.

Ich kann mir vorstellen, dass die Kasse im Supermarkt mit ihren Süßigkeiten für so einige Eltern ein Problem ist. Was sind Ihre Erfahrungen? Und Ihre Geheimrezepte, um diese Hürde zu umschiffen?

 

Foto: pixelio.de/Sunny6