Archiv für die Kategorie ‘Familienpolitik’

Kühner Spagat zwischen Job und Familie

Donnerstag, 13. August 2009
supermama

creativ collection

Supermamas! Überall lächeln sie mir auf Hochglanz-magazinen entgegen. Ganz ehrlich, ich kann das nicht mehr sehen und auch nicht mehr ernst nehmen. Heidi Klum und Angelina Jolie freuen sich auf ein Kind nach dem anderen. Und egal wie viele Kinder die sogenannten Supermamas haben, sie sehen immer noch entspannt und rosig aus. Zwischen einer Staffel “Germany’s next Topmodel”, einem McDonalds Werbedreh und einer Victoria Secret Fashion Show bekommt Heidi ihr viertes Baby und lächelt froh in einem fort. Wie macht die das nur? Insgeheim frage ich mich, wie viele Klum-Klone es eigentlich gibt?

Unsereins hat mit zwei Kindern schon ganz schön was zu stemmen. Nicht jeder Morgen beginnt rosig, vom Teint ganz zu schweigen. Sicherlich, Klum und Co haben eine hilfsbereite Angestelltenarmada, die sich um Haushalt, Fahrdienste, Einkauf und was sonst noch so alles ansteht kümmert. Aber trotzdem, auch Heidis Tag hat nur 24 Stunden.

Für mich ist die Vereinbarung von Job und Familie ein echter
Balanceakt, der oft auf ziemlich wackeligen Beinen steht. Nun habe ich aber das Glück zu 90 Prozent von zu Hause aus arbeiten zu können. Wie machen das die anderen Mamas, die den ganzen Tag außer Haus müssen, um die Brötchen zu verdienen?

Ich will nicht meckern. Denn ich habe es mir so ausgesucht. Meine Kinder und meine Familie sind mein Leben, aber der Job ist mir auch wichtig. Trotzdem beschleicht mich das ein oder andere Mal ein schlechtes Gewissen. Vor allem dann, wenn ich meinen Sohn wieder einmal in den Ferienkindergarten bringe, weil ich noch ein wichtiges Projekt abschließen muss. Irgendwie kommt immer etwas zu kurz. Entweder die Kinder, das Arbeitsprojekt oder einfach ich. Der Spagat zwischen Job und Familie ist eine sportliche Angelegenheit. Aber eben auch eine Herausforderung, die ich nicht missen möchte.

Wie meistern Sie Job und Familie? Beschleicht Sie auch das ein oder andere Mal ein schlechtes Gewissen, weil Sie nicht genug Zeit für Ihre Kinder haben?

Elterngeld kann Steuerlast erhöhen

Mittwoch, 18. Februar 2009

„Progressionsvorbehalt? Was soll das denn sein?“ Verständnislos starrte mich Sandra beim letzten Stillcafé an, nachdem ich sie gefragt hatte, ob sie daran denn gedacht hätten. Die Situation: Sandra hat eine kleine Tochter, ist verheiratet und in der Elternzeit. Ihr Mann hat Steuerklasse drei und ist angestellt.

Nun kann es passieren, dass das Elterngeld dafür sorgt, dass die Familie mehr Steuern bezahlen muss, als über die Lohnsteuerkarte abgeführt wird. Klingt komisch, ist aber so – um einmal die Sendung mit der Maus zu zitieren. Für das erhaltene Elterngeld muss man zwar keine Steuern zahlen, es erhöht allerdings das Familieneinkommen, daher kann die Familie in einen höheren Steuersatz rutschen und das Einkommen des Mannes wird höher besteuert. Das bedeutet: Das Elterngeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Die Folge kann eine saftige Steuernachzahlung sein.

Tatsächlich wird in den Formularen zum Elterngeld-Antrag auch auf den Progressionsvorbehalt hingewiesen – allerdings eher verschämt im „Kleingedruckten“, ohne die nötige Aufklärung.

Sandra jedenfalls wird das Familieneinkommen noch einmal gründlich unter die Lupe nehmen, um etwas Geld für die Steuer beiseite zu legen, falls es notwendig werden sollte.

 

Foto: pixelio.de/Gerd Altmann

Warum 7,5 Milliarden 8 Prozent Rendite bringen

Mittwoch, 19. November 2008

„Frühkindliche Betreuung“ ist ein Thema, das viele Gemüter erhitzt. Nicht wenige Menschen vertreten nach wie vor die Ansicht: „Mama ist die Beste“ und halten Fremdbetreuung im Kleinkindalter für schädlich, unterstellen dem Staat gar, sich in die Erziehung einzumischen.

Immer mehr setzt sich allerdings die Meinung durch, dass „frühkindliche Betreuung“ auch „frühkindliche Förderung“ beinhaltet, die die Chancengleichheit aller Kinder in Deutschland erhöht. Doch der Ausbau der Betreuungsplätze läuft schleppend voran und Elternteile, die bereits vor dem Kindergartenalter ihrer Sprösslinge wieder arbeiten möchten, stehen je nach Region und Lebenssituation vor großen Problemen. Häufig gibt es Wartezeiten und Dringlichkeitsstufen und die Spekulation der Politik darauf, dass meist der Großteil der Mütter recht lange zu Hause bleibt, ist nach wie vor offensichtlich.

Der Hauptgrund für dieses zaghafte Handeln dürfte in der Finanzierung liegen. Das Institut für Deutsche Wirtschaft kann dies indes gar nicht verstehen: So räumt das Institut ein, dass ein umfangreiches Maßnahmenpaket jährlich zunächst mit 7,5 Millionen Euro zu Buche schlägt, sich aber mit acht Prozent Rendite zu einem lohnenden Geschäft entwickeln würde. Die Gründe hierfür liegen, so das Institut weiter, in der insgesamt besseren Ausbildung der Bevölkerung, was weniger Arbeitslosigkeit und höhere Steuereinnahmen bedeutet. Außerdem sorgen Elternteile, die statt ihre Kinder ganztägig zu betreuen arbeiten gehen, ebenfalls für sprudelnde Steuereinnahmen.

Ein Rechenexempel, das mich zunächst mit Befremden erfüllt hat. Aber wenn’s hilft, mehr Betreuungsplätze zu schaffen, ist mir durchaus auch eine ökonomische Argumentation recht. Hier (PDF) lassen sich die Argumente nachlesen.

 

Foto: pixelio.de/doro52

Kinderbetreuung? Ist doch Luxus!

Donnerstag, 14. August 2008

Kürzlich las ich in der hiesigen Tageszeitung einen Leserbrief, dessen vorrangige Botschaft lautete: Kinder sind Privatsache. Es ging darum, dass Eltern, die Betreuung für ihre Kleinkinder benötigen, eine ordentliche Portion Glück haben müssen, um einen der begehrten Plätze zu ergattern. Es gibt zu wenig Krippenplätze, aber auch kaum Krabbelgruppen in den Kindergärten für Kinder von 1 bis 2, selbst bei den Kindergärten wird es mitunter schwierig, auch wenn es nur um einen Halbtagsplatz geht.

Die Lokalzeitung griff das Thema auf und bemängelte, dass die Verantwortlichen mehr streiten, als zu einer vernünftigen Lösung zu kommen. Hier wie an vielen Orten der Republik sollen zwar Tagesmütter das Defizit auffangen, aber auch bei ihnen sind Wartezeiten angesagt, vor allem, wenn man eine begehrte, weil gut ausgebildete und mit gutem Ruf ausgestattete, Tagesmutter bevorzugt oder nicht unbedingt erst einmal 20, 30 Kilometer fahren will, um sein Kind in ihre Obhut zu geben.

Und darauf nun besagter Leserbrief. Der Leser fand, Familien würden mittlerweile ohnehin zu sehr bevorzugt, allerorten gäbe es viel zu viel Tam-Tam um Betreuung und Elterngeld, so etwas habe es früher nicht gegeben und die Eltern hätten ihre Kinder auch groß gekriegt. Sicher haben sie das. Aber früher gab’s auch mehr Großfamilien, Nachbarn, die ganz selbstverständlich mit auf die Kinder geguckt und aufgepasst haben. Heute gibt es die viel zitierte Kleinfamilie, in der die Eltern meistenteils auf sich gestellt sind. Und in Zeiten, wo Müttern, die zu Hause bleiben, oft schon Schmarotzertum nachgesagt wird, in Zeiten, wo kontinuierliches Arbeiten wichtig ist, um in seinem Job den Anschluss nicht zu verlieren, ist adäquate Betreuung – auch für Kleinkinder – extrem wichtig und hat meiner Meinung nach selbstverständlich zu sein.

Doch der viel beschworene Ausbau der Krippenplätze geht viel zu langsam voran, was auch daran liegt, dass der versprochene Geldsegen aus Berlin viel geringer ausfällt als angekündigt und sich die hoffnungslos überlasteten Kommunen mit viel höheren Kosten konfrontiert sehen als geplant.

Aber was beschweren sich Familien denn? Hier, in meiner Kleinstadt, wird zum Beispiel gerade eine integrative Krippe geplant, die wohl ab Dezember Plätze anbieten soll. Dass es sich hierbei um höchstens zwölf Plätze handelt, die schon jetzt zur Hälfte ausgebucht sind, ist da wohl nur ein vernachlässigbarer Schönheitsfehler.

Sicher-stark: Für starke Kinder, die sich wehren können

Freitag, 13. Juni 2008

Organisationen, die sich für Kinder stark machen – von so etwas höre ich immer wieder gerne. Die Truppe von Sicher-stark lehrt Grundschulkinder Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, damit sie sich gegen übelmeinende Erwachsene, aber auch gewaltbereite Kinder, zum Beispiel auf dem Schulhof, zur Wehr setzen können.

Das Traurige: Sicher-stark hat im letzten Jahr ein Defizit von 500.000 Euro einfahren müssen, wie Ralf Schmitz, einer der Experten von Sicher-Stark, in einem Interview berichtet. Klar, dass nun wieder verstärkt Sponsoren gesucht werden. Er fordert aber auch, dass die öffentliche Hand mehr in dieser Richtung investiert.

Mir scheint das der richtige Weg: Wenn es offenbar nicht möglich ist, die Gesellschaft so zu verändern, dass Selbstverteidigungskenntnisse für Kinder nicht notwendig sind, sollte man allen Kindern zumindest die Möglichkeit geben, sich gegen Übergriffe wehren zu können.

Inwieweit natürlich ein Grundschulkind einem Erwachsenen etwas entgegensetzen kann, ist fraglich meiner Meinung nach. Aber ich denke, schon ein selbstbewussteres Auftreten kann Straftäter vertreiben. Allerdings kommt natürlich die Frage, die sich auch im Rahmen der Selbstverteidigungstechniken wie Judo oder Karate stellt: Was ist, wenn die so trainierten Kinder zu Jugendlichen oder jungen Erwachsenen heranwachsen, die ihrerseits mit ihren Kenntnissen andere Menschen verletzen oder bedrohen? Birgt eine solche (Schutz-)Ausbildung vielleicht auch die Gefahr einer noch gewalttätigeren Umgebung? Ich bin mir da nicht sicher und würde gerne Ihre Meinung, werter Leser, dazu lesen.

Revolution in Trippelschritten

Dienstag, 08. April 2008

Die Faz hat sich mit dem Elterngeld befasst. Was, so die Fragestellung, hat das Elterngeld gebracht für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie hat sich die Vaterschaft im Zuge der Reform verändert? Das Fazit ist ernüchternd: Wirklich einschneidende Veränderungen sind nicht zu beobachten. Noch immer bleiben gut verdienende Väter sehr selten zu Hause, noch immer bekommen Akademikerfrauen weniger Kinder.

Schuld hieran sind die Arbeitsbedingungen, die Männer zum Teil enorm unter Stress setzen, so der Artikel. Da schwingt natürlich auch das alte Argument mit: Wer sich als Mann in den Erziehungsurlaub verabschiedet, kann sich häufig auf ausgedehntes Mobbing einstellen.

Der andere Übeltäter: Es fehlen Betreuungsplätze. Überall. Ein Beispiel aus meiner Stadt: Bis 2013 sollen bis zu 13 Prozent der Betreuungsplätze ausgebaut sein. Entschuldigen Sie, werter Leser, wenn ich da nicht applaudieren kann – schon deswegen, weil ich nicht ganz daran glaube, dass auch nur diese mickrige Zahl erfüllt wird. Denn schon jetzt wird gestritten: Darüber, was man denn anbieten soll und darüber, wer das alles bezahlen soll, um nur zwei Beispiele zu nennen. Doch die Kommunalpolitiker aus meiner Stadt befinden sich in guter Gesellschaft, schließlich wird ja auch auf Bundesebene über die gleichen Themen diskutiert. Die Leidtragenden sind die Eltern, denen die Absichtserklärung, Betreuungsplätze anzubieten, schlicht nicht weiterhilft. Bleibt zu hoffen, dass hier bald Fortschritte zu sehen sind.

Wenn Väter ihre Söhne nicht sehen möchten

Freitag, 04. April 2008

Ein konfliktreiches Problem: Sollen Elternteile gezwungen werden können, ihre Kinder zu besuchen? Auf der einen Seite steht das Persönlichkeitsrechts des Elternteils, auf der anderen Seite das Recht des Kindes, seine Eltern zu sehen. Das Bundesverfassungsgericht hatte jüngst in einem solch schwierigen Fall zu entscheiden. Ergebnis: Das Elternteil – in dem Fall der Vater – kann nicht dazu gezwungen werden, sein Kind zu besuchen.

Ich kann mir vorstellen, das es für Richter nicht einfach war, in diesem Fall zu entscheiden – ich persönlich würde mich mit einem solchen Fall schwer tun. Es ist ja doch sehr bestürzend, zu erfahren, dass es Menschen gibt, die bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen, nur, damit sie ihre Nachkommenschaft nicht sehen müssen, auch wenn diese einem Seitensprung entstammt. Aber wenn die Abneigung bei einem Elternteil derart groß ist, ist es meiner Meinung nach wirklich besser, dem Kind eine wiederholte Begegnung mit dem Vater zu ersparen.

Wie sich ein kleiner Knirps in einer solchen Situation fühlt, kann man indes nur vermuten. Bleibt zu hoffen, dass der Junge diese erschütternde Erfahrung gut übersteht.

Nichts Konkretes

Dienstag, 04. März 2008

Gerade eben hatte ich einen Rohrspatz am Telefon. Dachte ich zumindest in den ersten 5 Minuten, bis mir klar wurde, dass meiner Nichte Tina der Kragen geplatzt sein musste. Sie hatte sich ein wenig näher mit der aktuellen Familienpolitik befasst, was ihrer Meinung nach einfach zwangsläufig zu einem Wutanfall führen muss:

Hier das Erziehungsgeld, auf der anderen Seite das Betreuungsgeld für Mamas, die zu Hause bleiben. Dort vorwiegend Halbtagsschulen, fehlende Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze, auf der anderen Seite ein neues Unterhaltsrecht, das Müttern, die sich für die Kindererziehung zu Hause entscheiden, im Falle einer Scheidung keine Unterhaltsabsicherung mehr bietet. Was das für die Frauen bedeutet, die seit Jahrzehnten – auch für die Karriere ihres Mannes – zu Hause geblieben sind, könne ich mir ja lebhaft vorstellen, schimpfte meine Nichte. Und wie soll man wohl in den Beruf zurückkehren, wenn es keine vernünftigen Betreuungsangebote gibt?

Ich musste ihr zustimmen, versuchte aber zu beschwichtigen: Schließlich würden die Krippenplätze ja gerade geschaffen, das Betreuungssystem wird ja gerade massiv ausgebaut. Was ich wohl unter massiv verstünde, schnaubte meine Nichte erbost. 15 Prozent Krippenplätze für unter 3-Jährige seien bis 2010 für unsere Stadt geplant, schnaubte sie. Was sie beträfe, sei die ganze Unterhalts- und Familienpolitik momentan nichts Halbes und nichts Ganzes.

Na ja, versuchte ich es noch einmal, aber das sei doch immerhin besser als nichts? Klar, gab meine Nichte zurück, jetzt säßen wir Frauen noch mehr zwischen allen Stühlen, da wüssten wir wenigstens, woran wir seien: Nämlich an nichts Konkretem.