An Christophs Schule sind gerade Projekttage. Thema: Gewalt (an Schulen). An Schulen deswegen in Klammern, weil Gewalt ja auch anderswo ein Thema ist, wie mir mein Großneffe fachkundig auseinandersetzte. Christoph ist in der Gruppe, die sich mit Zivilcourage befasst. „Und wie kann ich mir das vorstellen?“, frage ich, neugierig, wie ich nun einmal bin. „Na ja“, meint Christoph, „an unserer Schule gab es in letzter Zeit einige Schlägereien, und geholfen hat da niemand. Das liegt wohl daran, dass viele einfach denken, dass halt jemand anders helfen soll. Und mit diesem Projekt wollen wir halt die Schüler ein bisschen aufrütteln und zeigen, dass Gewalt nichts Normales sein soll.“
„Aber vielleicht haben die Schüler ja auch Angst, selbst was auf die Mütze zu kriegen“, werfe ich ein und mache mir schon Sorgen, dass mein Großneffe seine Zivilcourage mit einem blauen Auge bezahlen muss. „Nein“, meint Christoph, „es soll ja auch niemand dazwischen gehen, das ist ja ganz schön gefährlich. Aber laut rufen, dass sie aufhören sollen, das hilft manchmal schon. Oder eben die Lehrer holen.“
Diese kleine Unterhaltung hat mich nachdenklich zurückgelassen. Schlimm genug, dass es Schlägereien an Schulen gibt, sollen sich da die Unbeteiligten auch noch in Gefahr bringen? Andererseits: Schweigen hat so etwas von Tolerierung, und schon wird Gewalt nach kurzer Zeit als normal angesehen. Wie kann man diesem Dilemma entgehen? Hat meine werte Leserschaft eine Idee? Ich bin auf Ihre Anregungen gespannt.
